Die Fasnacht im Südwesten ist weit mehr als nur ein buntes Spektakel aus Masken, Musik und Umzügen. Als „fünfte Jahreszeit“ ist sie Ausdruck gelebter Geschichte, überlieferter Bräuche und einer tief verwurzelten regionalen Identität. Auch im Landkreis Waldshut prägt sie seit Jahrhunderten das gesellschaftliche Leben. Getragen wird sie von Verbänden, Narrenzünften, Vereinen, Guggenmusiken und Generationen von Fasnächtlern. Hier erfährst du alles über die wichtigsten Bräuche, Begriffe und Traditionen rund um die Fasnacht in der Region. Traditionell beginnt die Fasnacht am 6. Januar (Heilige Drei Könige) und erreicht ihren Höhepunkt in der Woche vor Aschermittwoch. Im Laufe der Jahre hat sich die Fasnacht weiterentwickelt, sodass es inzwischen viele moderne Elemente gibt, die im Einklang mit den traditionellen Bräuchen gefeiert werden. Heute finden in zahlreichen Städten nicht nur traditionelle Umzüge und Maskenbälle, sondern auch lebendige Fasnachtspartys und Veranstaltungen mit Musik und Tanz statt, die Tausende Gäste anlocken.
Hochrheinjournal-WT
Die Fasnacht im Südwesten ist eine tief verwurzelte Tradition. Sie hat ihre Wurzeln in alten Übergangs- und Jahresritualen und markierte ursprünglich den Abschied vom Winter und den Beginn eines neuen Jahresabschnitts. Mit Lärm, Verkleidung und ausgelassenem Treiben sollte die dunkle Jahreszeit vertrieben und Platz für den Frühling geschaffen werden.
Erst im frühen 20. Jahrhundert formte sich daraus die Fasnacht in ihrer heutigen Gestalt – bewusst abgegrenzt vom rheinischen Karneval und stark geprägt von lokalen Traditionen, zu denen beispielsweise die speziellen Kostüme und Masken gehören. Besonders wichtige Daten sind:
Der Donnerstag (Dunschtig) vor Aschermittwoch läutet die eigentliche Fasnachtszeit ein. Im Südwesten ist dieser Tag als „Schmutziger Donnerstag” bekannt. Der Begriff hat dabei nichts mit „schmutzig“ zu tun. Er leitet sich vom alemannischen Wort „Schmotz“ ab, das Fett oder Schmalz bedeutet. Damit ist der bewusste Genuss üppiger Speisen gemeint, bevor mit der Fastenzeit ein Verzicht beginnt. Am Schmutzigen Donnerstag finden abends traditionell in vielen Städten und Gemeinden die Hemdglunkerumzüge statt. Mancherorts beginnt das Spektakel bereits in den frühen Morgenstunden, wenn die Narren die Bevölkerung wecken, bevor am Vormittag die Befreiung der Kindergärten, Schulen und Rathäuser mit traditionellen Bräuchen zelebriert wird.
Für viele sind die Umzüge am Fasnachtssonntag und Rosenmontag das Herzstück der Fasnachtsfeierlichkeiten im Südwesten. Die Umzüge ziehen zahlreiche Zuschauer an, die die Straßen säumen, um die Mottowagen und die Cliquen mit ihren spektakulären Masken zu bestaunen und sich vom besonderen Sound der Guggenmusiken mitreißen zu lassen. Natürlich dürfen auch Bonbons und allerlei Leckereien, die großzügig an die Zuschauer verteilt werden, sowie die eine oder andere Konfettidusche nicht fehlen.
Auch wenn die Festlichkeiten mancherorts noch eine Weile andauern, stellt der Fasnachtsdienstag traditionell das Ende der Fasnachtszeit dar. Er fällt auf den Dienstag vor dem Aschermittwoch. Vielerorts ist es Brauch, die Fasnacht „zu verbrennen“. Dabei wird ein Narrenbaum oder eine Strohpuppe, die die Narretei und den Winter personifizieren, im Feuer verbrannt und die fünfte Jahreszeit für beendet erklärt.
So ausgelassen und fröhlich die närrischen Tage auch sind, so streng war früher die Zeit danach: die Fastenzeit. Schon im Mittelalter feierte man die Tage vor Aschermittwoch noch einmal ausgiebig. Fleisch und alle anderen tierischen Produkte (also alles, was während der Fastenzeit verboten war) mussten vorher aufgebraucht werden. So wurden die „tollen Tage“ zum kulinarischen Höhepunkt des Jahres, begleitet von ausgelassenem Treiben und närrischer Freiheit.
Aus dieser Tradition stammen bis heute typische Fasnachtsspezialitäten, vor allem im Fett ausgebackene Leckereien wie Schenkeli, Scherben oder Fasnachtsküchle.
Robert Leßmann | stock.adobe.com
Pflumeschlucker Bonndorf
Das komplette Kostüm der Narren wird „Häs“ genannt. Es ist ein Zeichen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Fasnachtszunft oder Clique. Die Holzmaske, die dem Narren sein Gesicht verleiht, wird „Larve“ genannt. Kurz nach dem 6. Januar, dem offiziellen Beginn der Fasnachtszeit, wird zum „Häs- und Larvenstauben“ aufgerufen: Die Narrenkleidung wird herausgeholt und vom Staub des letzten Jahres befreit. Vielerorts ist dies der erste Programmpunkt im Rahmen der Fasnachtsbräuche. Die Larven spielen eine wichtige Rolle und haben nicht nur symbolische Bedeutung, denn sie sollen böse Geister abwehren. In vielen Regionen des Südwestens werden diese Holzmasken von Hand geschnitzt. Weit über die Region hinaus bekannt ist der Holzbildhauer Simon Stiegeler aus Grafenhausen – seine Masken sind wahre Kunstwerke.
Narrenzünfte sind die Hüter närrischer Traditionen und die Motoren der Fasnacht. Die Vereine organisieren Umzüge, Narrentreffen und Veranstaltungen, bewahren Traditionen und sorgen dafür, dass der Brauch von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Viele Zünfte sind in überregionalen Organisationen wie der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte oder dem Verband Oberrheinischer Narrenzünfte zusammengeschlossen. Sie sind Traditionsbewahrer, Festorganisatoren und leidenschaftliche Botschafter der Fasnacht – mit viel Herzblut, Humor und einer großen Portion närrischer Energie.
Hochrheinjournal-WT
Hochrheinjournal-WT
Guggenmusik ist Fasnacht für die Ohren: Sie ist laut, wild, rhythmisch und mit voller Absicht ein bisschen schräg. Die „Guggen” sind aus den Umzügen, Fasnachtsbällen und dem närrischen Treiben nicht mehr wegzudenken.
In Basel tauchte der Begriff „Gugge” bereits im Jahr 1906 für musizierende Fasnachtsgruppen auf. Das Wort stammt aus dem Alemannischen, bedeutet „vom Blech“ und spielt augenzwinkernd auf die bewusst „ungeglätteten“ Blechklänge an. 1953 gründete sich im benachtbarten Lörrach eine der ersten deutschen Guggenmusiken.
Früher spielten die „Guggen" einfache Stücke, oft auf selbstgebauten Instrumenten und ganz ohne Noten. Auch heute können die Musiker oft keine Noten lesen, doch Klang, Rhythmus und Zusammenspiel haben sich deutlich verbessert und es wird viel geübt. Das Publikum erwartet Qualität, ohne dass der wilde Charakter verloren geht. Und bei vielen Guggen gilt: Ein paar Takte genügen und man weiß genau, wer da spielt.
Zur Fasnacht im Südwesten gehören auch laute Narrenrufe, mit denen sich die Narren gegenseitig grüßen und die Umzüge begleiten. Welche Rufe dabei erklingen, ist von Ort zu Ort verschieden und fest im lokalen Brauchtum verankert. Einer der bekanntesten und in vielen Regionen verbreiteten Rufe ist „Narri Narro”, der bis heute als Sinnbild der schwäbisch-alemannischen Fasnacht gilt.
Auch im Landkreis Waldshut nutzt man den Narrenruf „Narri, narro”, zusätzlich zum hier sehr beliebten „Hoorig, hoorig, hoorig isch die Chatz” (haarig ist die Katze).
Achtung! Ein absolutes No-Go bei der Fasnacht im Südwesten sind allerdings verfehlte Narrenrufe wie „Helau” oder „Alaaf”. Diese Varianten aus den nördlicheren Karnevalsgebieten hört man hier gar nicht gern.
Hochrheinjournal-WT
Im gesamten Landkreis Waldshut und den angrenzenden Regionen finden rund um die Fasnacht zahlreiche Umzüge, Narrentreffen und Zunftabende statt. Von kleinen Dorffasnachten bis zu großen, überregional bekannten Veranstaltungen zeigt sich die Vielfalt der alemannischen Fasnacht. Sie ist traditionsbewusst, gemeinschaftlich und bis heute fest im kulturellen Leben der Region verankert. Hier findest du eine kleine Auswahl: